Wochenlang nichts auf Instagram gepostet? Die Hundewiese, 16:30
2026-10-15
Donnerstag, 16:30 Uhr, die Hundewiese am Stadtrand. Mara steht mit der Leine in der Hand zwischen drei Hunden und deren Menschen. Sie ist Hundetrainerin, selbstständig, seit vier Jahren. Heute ist Gruppenstunde, und die läuft gut.
Dann sagt eine Teilnehmerin, ganz freundlich, ohne jede Absicht: „Bei Instagram ist es bei dir in letzter Zeit so ruhig geworden, oder? Ich dachte schon, du machst Pause.“
Mara lächelt und sagt: „Ja, war viel los.“
In ihrem Kopf passiert etwas anderes. Der letzte Post ist fünf Wochen her. Sie weiß es genau, ohne nachzusehen. Ein Foto von Bella, einer Border-Collie-Hündin, mit einem Satz, den sie damals schnell getippt hat.
Das leise Ziehen im Magen
Die Stunde läuft weiter. Mara erklärt, korrigiert, lobt. Nach außen ist alles in Ordnung.
Innen läuft ein zweiter Film. Die anderen posten doch ständig. Wer nichts zeigt, den gibt es nicht. Und wer soll dich buchen, wenn du so tust, als wärst du verschwunden?
Keiner dieser Sätze stimmt ganz. Aber sie fühlen sich an, als täten sie es.
Auf dem Heimweg im Auto geht es weiter. Eigentlich hat sie Fotos. Auf dem Handy liegen Dutzende, vom Welpenkurs, von der Gruppe am Waldrand, von dem Moment, als ein ängstlicher Rüde zum ersten Mal entspannt neben ihr lag. Das wäre doch ein schöner Post gewesen. Hätte sie nur.
Das schlechte Gewissen ist kein Drama. Es sitzt einfach da, wie ein Stein im Schuh. Man kann damit laufen, aber jeder Schritt erinnert einen daran.
Was das schlechte Gewissen still mitrechnet
Zu Hause stellt Mara die Wasserschüssel hin und öffnet am Küchentisch die App. Sie will nur kurz etwas posten.
Dann sitzt sie da. Welches Foto? Welcher Text? Passt das zu dem Bild, das sie von sich zeigen will? Nach zwanzig Minuten hat sie drei Entwürfe und keinen Post. Das Abendessen steht noch nicht auf dem Tisch.
Und genau da liegt der eigentliche Preis, den niemand ausspricht. Es sind nicht die fünf Wochen ohne Beitrag. Es sind die Sonntagabende, an denen sie sich vornimmt, „endlich mal“ etwas vorzubereiten. Es ist der Gedanke bei jedem Spaziergang, ob das jetzt ein Motiv wäre. Es ist das Gefühl, hinterherzulaufen, in einem Teil ihrer Arbeit, der eigentlich nur helfen soll, dass die richtigen Leute sie finden.
Sie klappt das Handy zu. Der Stein bleibt im Schuh.
Der Satz, der nichts kostet
Am Wochenende sitzt sie mit ihrer Schwester auf dem Balkon. Die arbeitet im Angestelltenverhältnis und hat mit Instagram nichts am Hut. Mara erzählt die Geschichte von der Hundewiese, halb als Witz.
Die Schwester hört zu und fragt dann nur: „Und was würdest du posten, wenn du es nicht jedes Mal neu entscheiden müsstest?“
Mara will schon antworten, dass sie es einfach öfter tun müsse. Aber der Satz bleibt in der Luft hängen. Denn er stimmt nicht. Sie hat nie zu wenig Ideen gehabt. Sie hat jedes Mal von vorn angefangen. Jedes Mal die gleiche Frage: Was, wann, wo, in welchem Ton?
Plötzlich sieht sie das Problem anders. Es lag nicht an ihrer Disziplin. Es lag daran, dass alles nur in ihrem Kopf lag, zwischen Terminen, Rechnungen und Hundegebell.
Eine normale Woche, ein bisschen leiser
Stell dir vor, wie das aussehen könnte. Nicht perfekt, nur ruhiger.
Montagmorgen, 8:15 Uhr. Der Kaffee dampft. Mara wirft einen Blick auf eine einzige Übersicht. Zwei Beiträge für diese Woche sind schon skizziert, einer ist fast fertig, ein Foto wartet auf seinen Text. Sie muss nichts neu erfinden. Sie schaut, was dran ist, ändert einen Satz, nickt.
Am Donnerstag auf der Hundewiese macht sie ein Foto, weil sie weiß, wo es hinkommt. Nicht, weil sie sich schuldig fühlt, sondern weil es einen Platz dafür gibt.
Und wenn doch mal eine Woche ausfällt, weil ein Hund krank ist oder das Leben dazwischenkommt, dann ist die Lücke einfach sichtbar. Kein diffuser Vorwurf, nur ein leeres Feld, das man verschieben kann. Das ist ein großer Unterschied zum Stein im Schuh.
Mehr verändert ein einfaches System nicht. Es macht aus einem ständigen „Ich müsste“ ein ruhiges „Das habe ich im Blick“.
Und die Teilnehmerin von der Hundewiese?
Die hat nichts Böses gemeint. Wahrscheinlich hat sie die Bemerkung am selben Abend vergessen. Die meisten Menschen zählen nicht mit, wie viele Wochen du nicht gepostet hast. Das Zählen machst du.
Vielleicht ist das die tröstlichste Erkenntnis: Dein schlechtes Gewissen ist oft strenger als jeder, der dir zuschaut. Du darfst Sichtbarkeit ernst nehmen und trotzdem nicht jeden Tag ein kleines Tribunal in deinem Kopf abhalten.
Du musst nicht plötzlich täglich posten. Du musst nur nicht jedes Mal bei null anfangen.
Wenn du dich wiedererkannt hast
Wenn du seit Wochen denkst, du müsstest „mal wieder“ etwas posten, und dabei jedes Mal den Magen spürst, dann kennst du diese Geschichte. Du bist damit weder faul noch unprofessionell.
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Und falls nicht heute: Der Stein im Schuh darf auch noch ein bisschen warten. Aber du musst ihn nicht ewig tragen.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.