Weniger als Mindestlohn als Selbstständige? Die Frage beim Kuchen
2026-10-14
Sonntag, 15:20 Uhr. Geburtstag deiner Tante, Käsekuchen, zu viele Stühle um einen zu kleinen Tisch.
Dein Schwager rührt in seinem Kaffee und sagt freundlich, ohne jede Bosheit: „Und, lohnt sich das eigentlich, so ganz alleine? Ich hab neulich gelesen, dass manche Selbstständige weniger als Mindestlohn verdienen.“
Du lächelst. Du sagst: „Läuft ganz gut.“ Dann nimmst du einen großen Bissen Kuchen, damit du nicht weiterreden musst.
Innerlich ist es plötzlich sehr laut.
Der Satz, der nachklingt
Stell dir Jana vor, freie Lektorin, vier Jahre selbstständig. Sie ist keine echte Person, aber vielleicht kennst du ihren Sonntag.
Auf der Rückfahrt im Zug starrt sie auf ihr Handy. Sie weiß, dass im letzten Monat viel Arbeit da war. Manuskripte, Korrekturrunden, zwei Telefonate, die länger dauerten als geplant. Sie weiß auch, was auf dem Konto eingegangen ist. Aber die beiden Zahlen hat sie noch nie nebeneinandergelegt.
Das ist das Unangenehme. Es ist keine Panik. Es ist eher ein dumpfes Ahnen, das man seit Monaten wegschiebt. Solange man nicht nachrechnet, ist man nur „beschäftigt“. Rechnet man nach, könnte man Gewissheit haben. Und die könnte wehtun.
Die Sache mit dem Nachrechnen
Am Montag um 8:40 Uhr sitzt Jana vor ihrem Laptop, den Kaffee noch heiß. Sie öffnet den Kalender des letzten Monats und beginnt, Stunden zu schätzen.
Die Korrektur für den Verlag: vier Tage? Eher fünf. Die Angebotsmail, die sie dreimal umgeschrieben hat. Das Telefonat mit der Autorin, die „nur kurz“ etwas fragen wollte. Die Rechnung, die sie erst nach zwei Wochen geschrieben hat, weil sie die Zeit nicht fand.
Sie merkt: Sie hat nie gezählt, was sie wirklich arbeitet. Sie hat nur gezählt, was sie berechnet. Das ist nicht dasselbe.
Und dann ist da noch etwas, das sie sonst nie laut denkt: Von dem, was auf der Rechnung steht, ist noch nichts „ihres“. Da sind Versicherungen, Software, Rücklagen für die Steuer, der Monat, in dem es ruhig wird. Wenn ihr Schwager „Mindestlohn“ sagt, meint er eine Zahl auf dem Papier. Jana weiß nicht einmal, welche Zahl sie dagegenhalten soll.
Was das leise kostet
Das Schwierige an der Frage ist nicht die Antwort. Es ist das Nicht-Wissen.
Wer nicht weiß, was eine Stunde wirklich wert ist, sagt bei Angeboten zu schnell Ja. Oder nennt einen Preis und schiebt direkt ein „aber da lässt sich sicher was machen“ hinterher. Wer nicht weiß, was er braucht, traut sich nicht, Nein zu sagen. Und wer nie nachgerechnet hat, hört jeden Sonntag am Kaffeetisch dieselbe Frage, nur in anderen Worten.
Das kostet Abende. Es kostet das Gefühl, ein „richtiges“ Business zu führen. Und es kostet manchmal Geld, das du gar nicht verlierst, sondern nie verlangst.
Der Moment, in dem es leichter wird
Jana schreibt sich an diesem Montag nichts Kompliziertes auf. Sie nimmt keinen Taschenrechner-Marathon in Kauf. Sie fragt sich nur eine einzige Sache: Was müsste eine Stunde meiner Arbeit mindestens bringen, damit am Ende etwas für mich bleibt?
Nicht „was zahlen andere“. Nicht „was traue ich mir zu“. Sondern: was braucht mein Leben, was braucht mein Betrieb, und wie viele Stunden sind im Monat tatsächlich bezahlbar?
Und plötzlich ist da eine Zahl. Nicht die endgültige Wahrheit, aber ein Boden unter den Füßen. Sie sieht: Bei manchen Aufträgen liegt sie deutlich darüber. Bei zwei Stammkunden liegt sie darunter, und zwar spürbar. Das ist kein Drama. Das ist Information.
Sie atmet aus. Zum ersten Mal seit dem Käsekuchen.
Wie ein normaler Montag dann aussieht
Stell dir vor, du öffnest morgens dein Postfach und weißt schon, was ein Auftrag mindestens bringen muss, bevor du zusagst. Kein Bauchgrummeln, kein langes Hin und Her.
Die Anfrage kommt, du schaust kurz auf deine Zahl, und dein Preis klingt in deinem Kopf ruhig, nicht trotzig. Du schreibst ihn in die Mail, ohne Entschuldigung davor.
Am Monatsende sitzt du nicht mehr mit einem diffusen Gefühl am Schreibtisch, sondern mit einem Blick, der etwas sagt. Manchmal sagt er: gut. Manchmal sagt er: hier solltest du etwas ändern. Beides ist besser als dieses Schweigen im Bauch.
Und wenn dein Schwager beim nächsten Geburtstag fragt, ob sich das lohnt, musst du nicht mehr Kuchen essen, um nicht zu antworten. Du kannst sagen: „Ich weiß, was meine Stunde kostet.“ Und das stimmt dann einfach.
Wenn du dich wiedererkannt hast
Vielleicht hast du keine Lust auf ein großes Finanzprojekt. Das musst du auch nicht haben. Für den Anfang reicht eine Zahl, die dir sagt, wo dein Minimum liegt, und eine Rechnung, die ordentlich aussieht, wenn du sie schickst.
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Der Rechner ist kostenlos (du zahlst, was du magst), und du kannst in Ruhe ausprobieren, ob er dir hilft: Know Your Rate ansehen
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.