Stundensatz reicht nicht für Steuern und Krankenkasse?
2026-10-16
Samstag, 11:15 Uhr. Du kommst mit zwei Brötchentüten die Treppe hoch und öffnest im Hausflur den Briefkasten. Werbung, ein Stadtmagazin und ein weißer Umschlag mit dem Logo deiner Krankenkasse.
Du weißt, was drin ist, bevor du ihn aufreißt. Neuer Beitragsbescheid. Du stehst zwischen Fahrrädern und Kinderwagen und liest die Zahl. Dann liest du sie noch einmal.
In deinem Kopf läuft sofort die Rechnung los. Wie viele Stunden sind das im Monat? Und wie viele davon hast du überhaupt schon bezahlt bekommen?
Stell dir vor, du heißt Jonas, bist Webdesigner und seit drei Jahren selbstständig. Die Szene ist erfunden, aber vielleicht kommt sie dir bekannt vor.
Der Satz, den du dir damals aus der Luft gegriffen hast
Als du angefangen hast, hast du einen Stundensatz genannt. Er klang vernünftig. Er lag ein bisschen über dem, was du als Angestellter netto pro Stunde gedacht hattest, und ein bisschen unter dem, was die Kollegin in der Facebook-Gruppe erwähnt hatte. Einen Taschenrechner hast du dafür nicht gebraucht, es fühlte sich einfach richtig an.
Die Aufträge kamen, die Rechnungen gingen raus, das Konto war im Plus. Also hast du nicht nachgefragt.
Nur manchmal, beim Zähneputzen, kam diese leise Frage: Wenn ich Steuern, Krankenkasse und Altersvorsorge abziehe, was bleibt dann für mich?
Du hast sie weggeschoben, wie man ein Geräusch im Auto wegschiebt, solange es noch fährt.
Der Esstisch, die Brötchen, der Taschenrechner
Oben in der Wohnung legst du den Brief neben die Brötchen. Dein Kaffee wird kalt. Du öffnest den Rechner auf dem Handy und tippst ein paar Zahlen. Die Krankenkasse, die Vorauszahlung, die du dir fürs Finanzamt merken solltest, die Miete fürs Arbeitszimmer, die Software-Abos.
Alles stimmt irgendwie, und trotzdem fühlt es sich nicht an wie ein Gehalt. Es fühlt sich an wie ein Stapel Rechnungen, die alle gleichzeitig Hallo sagen.
Das Unangenehmste ist nicht die Summe, sondern dass du sie nicht einordnen kannst. Du weißt nicht, ob du gerade gut verdienst oder knapp zu wenig. Du weißt nicht, ob du dich anstrengen musst oder nur anders rechnen. Und genau das zieht still an dir: Du fühlst dich nicht wie jemand, der ein richtiges Geschäft führt, sondern wie jemand, der es irgendwie schafft.
Im nächsten Kundentelefonat sagst du deshalb wieder den alten Satz. Dein Stundensatz kommt dir leiser über die Lippen als nötig. Und wenn der Kunde „Hm, geht da noch was?“ sagt, hörst du dich schon nicken, bevor du nachgedacht hast.
Was das leise kostet
Es kostet nicht auf einen Schlag, sondern in kleinen Scheiben.
Ein Wochenende, an dem du dich nicht richtig freuen kannst, weil im Hintergrund eine Zahl mitläuft. Ein Auftrag, den du annimmst, obwohl er knapp kalkuliert ist, weil du nicht weißt, wo deine Untergrenze liegt. Ein Abend, an dem du noch „kurz“ eine Stunde dranhängst, damit der Monat sich ausgeht.
Und dazu der Gedanke, den kaum jemand ausspricht: Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug im Geldverdienen.
Dabei liegt es meistens an etwas viel Banaleren. Dein Satz wurde einmal geschätzt und seitdem nie wieder angeschaut.
Der Moment, in dem es ruhiger wird
Am Nachmittag sitzt du immer noch am Tisch, jetzt mit einem Blatt Papier. Du schreibst nicht alles auf einmal auf, nur die festen Dinge: was jeden Monat raus muss, was im Jahr an Beiträgen zusammenkommt, wie viele Stunden du realistisch bezahlt arbeiten kannst. Realistisch, nicht optimistisch. Dazwischen sind Urlaub, Krankheitstage und die Stunden, die man nie abrechnet.
Dann setzt du deinen bisherigen Satz daneben.
Es gibt keinen Knall. Du merkst nur, dass die Zahl zum ersten Mal nicht mehr nach Bauchgefühl aussieht, sondern nach etwas, das du erklären kannst. Du kannst jetzt sehen, wo deine Untergrenze liegt. Und plötzlich ist „Ich kann dir da nicht weiter entgegenkommen“ kein Mut-Satz mehr, sondern eine Tatsache.
Ein Steuerberater würde dir sagen, welche Zahlen für dich genau gelten. Das ersetzt so ein Blatt nicht. Aber du gehst zum nächsten Termin mit ganz anderen Fragen, weil du deine eigene Rechnung kennst.
Ein normaler Montag danach
Montag, 9:30 Uhr. Ein Kunde ruft an, er braucht eine Landingpage bis Ende des Monats und fragt nach deinem Preis.
Du hast den Zettel nicht vor dir liegen, du brauchst ihn gar nicht. Du nennst die Zahl in normalem Tempo, ohne Räuspern, ohne Entschuldigung hinterher. Der Kunde sagt, er melde sich. Vielleicht tut er es, vielleicht nicht. Beides ist in Ordnung, denn dein Monat hängt nicht an diesem einen Ja.
Nach dem Telefonat schreibst du die Rechnung für das letzte Projekt. Sie ist sauber, mit Fälligkeitsdatum, mit ausgewiesener Steuerzeile, so wie du als Profi auftrittst. Du schickst sie ab und trinkst deinen Kaffee, solange er noch warm ist.
Am Nachmittag kommt der nächste Beitragsbescheid, und du lachst fast. Nicht, weil er klein wäre, sondern weil er dich nicht mehr überrascht.
Wenn du dich im Hausflur wiedererkannt hast
Du musst nicht sofort deinen ganzen Betrieb umbauen. Es reicht, einmal ehrlich auszurechnen, was eine Stunde von dir mindestens kosten muss, damit am Ende wirklich etwas für dich bleibt.
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Sie ersetzt keine Steuerberatung, sie hilft dir nur, den Kopf freizubekommen. Der nächste Brief im Briefkasten darf dann einfach ein Brief sein.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.