Freelance-Jahr voll, aber was verdient? Das Raclette
2026-10-16
Die Pfännchen zischen, der Käse wirft Blasen, und irgendwo links von dir erzählt jemand von seinem Skiurlaub. Es ist der 28. Dezember, kurz nach acht, bei Freunden in der Nachbarstadt.
Mara, selbstständige Illustratorin (eine erfundene Figur, aber vielleicht kennst du sie), schiebt ein Stück Kartoffel durch die Soße und lächelt. Dann fragt Thomas quer über den Tisch: „Und bei dir? Wie war das Jahr? Lohnt sich das eigentlich, so ganz alleine?“
Sie sagt: „Total gut, ich hatte richtig viel zu tun.“
Das stimmt. Es ist nur nicht die Antwort auf seine Frage.
Voll ist nicht dasselbe wie verdient
Im Kopf geht Mara das Jahr durch. Das große Buchprojekt im Frühjahr. Die drei Verlagsaufträge im Sommer, bei denen sie nachts Korrekturen eingebaut hat. Der Kunde, der ständig „nur noch eine kleine Änderung“ wollte. Die Wochen, in denen sie samstags am Tisch saß, weil sonst nichts fertig geworden wäre.
Aber wenn sie ehrlich ist, kann sie eine einfache Frage nicht beantworten: Was ist davon bei ihr angekommen?
Sie weiß, dass es irgendwie gereicht hat. Die Miete wurde bezahlt, der Kühlschrank war voll. Die Rechnungen liegen verstreut: ein paar im Mailprogramm, ein paar in einem Ordner namens „Rechnungen_neu“, zwei vermutlich noch als Entwurf. Die Zahlungseingänge stehen im Kontoauszug, aber ohne Namen, die sie sofort einem Projekt zuordnen könnte. Und ihre Stunden? Die hat sie im Februar noch aufgeschrieben. Im März wurde es dünner.
Sie hat das Gefühl, ein ganzes Jahr gerannt zu sein, ohne auf die Uhr zu schauen.
Der Satz, den man nicht laut sagt
„Lohnt sich das?“ ist eine harmlose Frage. Für Mara ist sie ein kleiner Stich, weil darunter eine andere liegt, die sie sich selten stellt: Führe ich eigentlich ein richtiges Geschäft, oder bin ich nur beschäftigt?
Sie kennt das Gefühl vom Januar, wenn der Termin beim Steuerberater näher rückt und sie plötzlich Zahlen zusammensucht, die sie das ganze Jahr hätte sehen können. Sie kennt das Schlucken, wenn ein Kunde nach ihrem Preis fragt und sie nicht sicher ist, ob er stimmt. Sie kennt die Müdigkeit von Arbeit, die sich wichtig anfühlt, ohne dass sie weiß, ob sie sich auszahlt.
Nichts davon ist dramatisch. Es ist eher ein leises Rauschen im Hintergrund. Man gewöhnt sich daran, wie an den Kühlschrank in der Küche.
Am Tisch lacht jemand, Thomas schenkt Wein nach. Mara sagt: „Läuft schon“, und das ist wieder keine Antwort.
Auf dem Heimweg
Im Zug zurück schaut sie aus dem Fenster auf die dunklen Felder. Irgendwo zwischen zwei Haltestellen kommt ihr ein Gedanke, der ganz ruhig ist, ohne Vorwurf.
Es liegt nicht an mir. Ich habe nur nie einen Ort gehabt, an dem das alles zusammenläuft.
Sie hat gearbeitet, geliefert und Rechnungen geschrieben. Aber sie hat nie an einer Stelle gesehen, wer wie viel bezahlt hat, welches Projekt sich gelohnt hat und welches sie am Ende Geld gekostet hat, weil die Stunden davongelaufen sind. Das war kein Charakterfehler. Es fehlte schlicht der Überblick.
Und vielleicht, denkt sie, muss das gar nicht kompliziert sein. Vielleicht reicht ein einfaches System, in das sie nur ein paar Dinge einträgt, und das ihr dann zeigt, wie das Jahr tatsächlich aussah.
Wie sich ein normaler Montag anfühlen könnte
Stell dir denselben Raclette-Abend ein Jahr später vor.
Thomas fragt wieder: „Und, lohnt sich das?“
Mara nimmt sich kurz einen Moment. Nicht, weil sie überlegen muss, sondern weil sie die Antwort tatsächlich kennt. „Ja. Der Verlagskram war mein bestes Jahr, die kleinen Logo-Aufträge eher nicht, die mache ich nächstes Jahr seltener. Und ich hab meinen Stundensatz im Sommer angehoben.“
Sie sagt es ohne Herzklopfen. Es ist einfach ein Stand, wie der Wetterbericht.
Ihr Montagmorgen sieht entsprechend aus: Kaffee, Laptop, zehn Minuten. Sie schaut, wer noch offen ist, trägt die Stunden von letzter Woche nach, und das war's. Kein schlechtes Gewissen, kein Wühlen im Mailordner. Um halb zehn sitzt sie am eigentlichen Auftrag. Und im Januar legt sie dem Steuerberater eine saubere Übersicht hin, statt am Abend vorher Kontoauszüge zu sortieren.
Das Jahr ist dann nicht weniger arbeitsreich. Aber es ist lesbar.
Ein kleiner Anfang
Vielleicht erkennst du dich ein bisschen in Mara wieder. Dein Jahr war voll, du bist müde, und wenn dich jemand fragt, was am Ende übrig geblieben ist, sagst du „läuft schon“, weil du es wirklich nicht genau weißt.
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Das Kit ersetzt keine Steuerberatung. Es sorgt nur dafür, dass du beim nächsten Raclette sagen kannst, wie dein Jahr wirklich war.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.