Blixwerk

Festpreis-Projekt dauert länger als geplant? Der Anruf um 11:05

2026-10-13

Donnerstag, 11:05 Uhr. Mara sitzt am Küchentisch, der Kaffee ist längst kalt. Auf dem Bildschirm läuft der Videocall mit Herrn Brandt, dem Inhaber einer kleinen Physiotherapiepraxis.

„Die Seite ist wirklich schön geworden“, sagt er. „Nur noch eine Kleinigkeit: Könnten wir eine Seite für die Online-Terminbuchung ergänzen? Und die Texte vielleicht noch mal umstellen? Ist ja alles im Preis drin, oder?“

Mara lächelt in die Kamera. Im Kopf rechnet sie schon.

Festpreis: 2.400 Euro. Vor zehn Wochen klang das nach einem guten Auftrag. Sie hatte drei Wochen eingeplant, locker, mit Puffer.

Jetzt ist Woche zehn.

Das Lächeln, während die Rechnung im Kopf läuft

„Das schaue ich mir an“, sagt sie. Es ist ihr Standardsatz geworden. Er klingt freundlich und verspricht nichts. Sie weiß, dass sie ihn sagt, weil sie das Wort „Nein“ gerade nicht über die Lippen bringt.

Nach dem Call klappt sie den Laptop nicht zu. Sie öffnet stattdessen ein Dokument namens „Stunden grob“. Es ist eine Liste, die sie irgendwann Anfang des Projekts begonnen und nach dem zweiten Kundengespräch nicht mehr gepflegt hat.

Eintrag eins: Kick-off, 2 Std. Eintrag zwei: Entwurf, 8 Std. Danach wird die Liste dünn. Dann kommen nur noch Zeilen wie „diverse Änderungen“ und ein Fragezeichen.

Sie versucht zu rekonstruieren. Die Runde mit dem Logo, das der Kunde doch behalten wollte. Die drei Korrekturschleifen für die Teamfotos. Die Mails, jede einzelne nur zehn Minuten. Zusammen ergeben sie einen ganzen Arbeitstag, den niemand je gesehen hat.

Sie schätzt, schätzt noch einmal, und der Stundensatz, der am Ende herauskommt, gefällt ihr nicht. Er liegt weit unter dem, was sie einem Kunden je nennen würde.

Das Schlimmste ist nicht die Zahl. Das Schlimmste ist, dass sie nicht sicher ist, ob sie stimmt.

Was leise mitläuft

Das ist das Unangenehme an Festpreisen, wenn sie aus dem Ruder laufen. Es knallt nicht. Es gibt keinen Moment, in dem etwas kaputtgeht. Es sickert.

Ein Abend hier, ein Samstagvormittag da. Der Gedanke beim Zähneputzen: „Eigentlich hätte ich das schon erwähnen müssen.“ Das schlechte Gewissen gegenüber dem Kunden, der ja nur nett fragt. Und gleichzeitig der Ärger auf sich selbst, weil man es zugelassen hat.

Und dann sind da die anderen Aufträge, die warten. Ein kleines Projekt, das Mara eigentlich diese Woche anfangen wollte. Es rutscht, weil Herr Brandt noch eine Kleinigkeit hat.

So kostet ein Projekt, das zu lange dauert, nicht nur Geld. Es kostet Platz im Kalender, Ruhe im Kopf und das Gefühl, ein richtiges Geschäft zu führen.

Der Satz, der alles verschiebt

Am Freitag erzählt Mara ihrer Freundin Jule davon, einer Texterin, die sie aus einem Coworking-Space kennt. Sie sitzen auf einer Bank vor dem Bäcker, jede mit einem Laugencroissant.

„Und wie viele Stunden hast du jetzt wirklich drin?“, fragt Jule.

„Keine Ahnung. Ungefähr sechzig? Vielleicht achtzig.“

„Und was hast du ihm gesagt, was drin ist?“

Mara schweigt. Sie hat es ihm nie klar gesagt. Sie hat es nur im Kopf gehabt, drei Seiten, zwei Korrekturrunden. Aufgeschrieben hat sie es nirgends so, dass sie jetzt darauf zeigen könnte.

„Dann ist das nicht dein Fehler als Mensch“, sagt Jule. „Es fehlt einfach ein Ort, an dem es steht. Was vereinbart war, was du gearbeitet hast, was noch offen ist.“

Es klingt so schlicht, dass Mara fast lacht. Und doch ist es der erste Satz der Woche, der sich nach Boden unter den Füßen anfühlt.

Ein anderer Montag

Stell dir vor, es ist Montagmorgen, 9:00 Uhr. Du setzt dich hin, und du weißt schon, bevor du die Mails öffnest, wie dein Stand ist.

Du siehst, welche Projekte laufen. Du siehst, wie viele Stunden du bisher in jedes gesteckt hast, nicht gefühlt, sondern eingetragen. Du siehst, welche Rechnung wann fällig ist und welche schon überfällig.

Und wenn dann wieder jemand sagt „Nur noch eine Kleinigkeit“, musst du nicht lächeln und „Das schaue ich mir an“ sagen. Du kannst ruhig antworten: „Gern. Das liegt außerhalb dessen, was wir vereinbart haben. Ich schicke dir ein kurzes Angebot dazu.“

Kein Drama. Kein Herzklopfen. Der Satz fällt dir leichter, weil du die Zahlen vor dir hast und nicht nur ein Bauchgefühl.

Der Kaffee bleibt warm, weil du ihn trinkst und nicht vergisst. Der Dienstagabend gehört dir. Und das nächste Festpreis-Projekt gehst du anders an, weil du aus dem letzten genau weißt, wie lange du wirklich brauchst.

Und Mara?

Sie schreibt Herrn Brandt am Montag eine freundliche Mail. Sie fasst zusammen, was im Projekt enthalten ist. Sie bietet für die Terminbuchung und die Textumstellung ein kleines Zusatzangebot an. Ihr Herz klopft dabei, aber weniger, als sie dachte.

Ob er zustimmt, weiß sie nicht. Aber zum ersten Mal seit Wochen fühlt sie sich nicht wie jemand, dem etwas passiert, sondern wie jemand, der ein Geschäft führt.

Die Geschichte ist erfunden, Mara gibt es nicht. Das Gefühl dahinter kennen viele, die allein arbeiten.

Wenn du dich wiedererkennst

Vielleicht steckt gerade auch bei dir ein Projekt, das länger dauert als geplant, und du weißt nicht genau, wie viel davon unbezahlt ist. Dann hilft oft zuerst ein Ort, an dem Kunden, Projekte, Stunden und Rechnungen zusammenlaufen. Das ist keine große Software, sondern eine ruhige Übersicht.

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